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Was macht einen guten Zauberspruch aus?

Was macht einen guten Zauberspruch aus?

Auch wenn es im echten Leben kein "Hex, hex" oder "Alohamora" gibt - Spruchzauber können tatsächlich etwas bewirken. Darauf kommt es an:


Es gibt da draußen richtig schlechte Spruchzauber – und verdammt kraftvolle. Woran erkennst du den Unterschied?

Um beurteilen zu können, ob etwas gut ist oder nicht, müssen wir erstmal wissen, was überhaupt bezweckt wird. Also beginnen wir mit einem kleinen Exkurs: wie funktionieren Zaubersprüche? Funktionieren sie überhaupt?!

Wie wirkt ein Spruchzauber?

Bei Harry Potter reicht ein beiläufig gemurmeltes „Alohamora“ und schon – tadaa! – springen abgeschlossene Türen auf. Du wirst es dir schon gedacht haben, ganz so läuft das in der Realität nicht. 😉

Für Zaubersprüche gilt das Gleiche wie für Invokationen und sonstige rituelle Texte: es geht um Energie, um deine Energie. Um Fokussierung, Konzentration und Imagination.

Den Elementen da draußen dürfte es herzlich wurscht sein, ob du sie anrufst oder nicht. Aber es verändert etwas in dir. Indem du dir die Kraft und die Eigenschaften beispielsweise von Feuer, Wasser, Luft und Erde vergegenwärtigst, kann sich dein Unterbewusstsein darauf ausrichten.

Ich rufe den Wind nicht, weil er sonst nicht kommt. Ich rufe ihn, um mir selbst klarzumachen, dass ich mit dem Wind in Verbindung sein will.

Luisa Francia: Der magische Alltag. Rituale und Zauberrezepte, S. 12

Ganz essentiell ist: bevor du irgendeinen Zauberspruch wirkst, musst du dir im Klaren sein, was passieren soll. Dein Ziel zu kennen, ist mehr als die halbe Miete.

Es gibt nicht „den einen“ Zauberspruch für etwas

In Romanen und Serien müssen sich die Protagonisten oft anstrengen, um einen ganz bestimmten Zauberspruch zu finden oder zu erlernen.

So funktioniert das nicht. Es gibt nicht die eine Formel, die irgendetwas ganz Bestimmtes bewirkt. Schließlich reden wir hier nicht von einer Programmiersprache.

Vielmehr ist wichtig, dass die Worte für dich persönlich eine Bedeutung haben, dass du sie mit Energie „lädst“. Es bringt nichts, wenn du einen Ritualtext herunterleierst, ohne weiter darüber nachzudenken. Oder wenn du so nervös darauf bedacht bist, dich ja nicht zu verhaspeln, dass du vom Inhalt kaum etwas mitbekommst.

Sprache ist unglaublich mächtig. Die richtigen Worte lassen vor unserem inneren Auge ganze Filme ablaufen, sie können uns zu Tränen rühren oder dafür sorgen, dass wir einen spannenden Krimi einfach nicht aus der Hand legen können.

Im Zauberspruch nutzt du diese Kraft der Sprache. Und wie genau geht das?

Von Reimen und Rhythmen

Erinnerst du dich noch an deinen Deutschunterricht? 😀 Das mit dem A-A-B-B und dem A-B-A-B-C-D-C-D, den reinen Reimen und Anfangsreimen und wie sie nicht alle heißen? Genau dieses Handwerkszeug brauchen wir jetzt.

Nicht ohne Grund heißt es nämlich in der Wiccan Rede, dass sich ein Spruchzauber reimen solle:

To bind the spell well every time, let the spell be said in rhyme.

Wiccan Rede

Reime sind nicht nur wohlklingend. Sie verleihen einem Text Eleganz und Kraft – Energie. Genau das, womit du hier arbeiten wirst.

Ein natürlich und nicht gestelzt klingender Zauberspruch spielt dabei in einer ganz anderen Kategorie als die berühmten Vertreter von „reim dich oder ich klopp dich“. Schließlich sollen sich bei den angerufenen Göttern nicht die heiligen Fußnägel kringeln – und du selber wirst dir auch weitaus weniger lächerlich vorkommen, wenn du einen wirklich kraftvollen, gut geschriebenen Text aussprichst.

Historische Sprache?

Zaubersprüche sind oft nicht in der Alltagssprache verfasst, sondern lesen sich etwas altertümlich. Im Englischen wird etwa das „you“ zu „thou“ oder das „your“ zu „thy“. Im Deutschen werden mittlerweile aus der Mode gekommene Begriffe wieder ausgraben.

Gut daran ist, dass auf diese Weise auch durch die Sprache klar wird, dass du deinen Alltag verlässt. Das hilft dir, dich in eine besondere Stimmung zu versetzen. Ein „Ey yo, Cerridwen, jetzt lass ma chillen!“ dürfte nach hinten losgehen. 🙂

Alte Ausdrucksweisen sind allerdings nicht etwa heiliger oder „truer“ als unsere heutigen Alltagsbegriffe. Schließlich ist das, was wir heute ganz ehrfürchtig betrachten, vor zweihundert oder dreihundert Jahren stinknormal gewesen

Zaubersprüche in fremden Sprachen?

Wie gesagt: wichtig ist, dass du dich nicht auf die Worte konzentrierst, sondern auf die damit verbundenen Bilder und ihre Bedeutung, ihre Energie. Bei einem Zauberspruch in einer dir fremden Sprache dürfte das schwierig werden. Vielleicht macht der Singsang der Worte etwas mit dir, aber es ist fraglich, ob du damit inhaltlich an etwas arbeiten kannst.

Ich persönlich verwende sowohl deutsche, als auch englische Intonationen, Chants und Zaubersprüche. Manche Dinge klingen im Englischen einfach stimmiger oder die Formulierungen sind kürzer. Allerdings beherrsche ich die Sprache auch fließend.

Es bringt überhaupt nichts, wenn du irgendeinen italienischen Zauberspruch verwendest, ohne die Sprache zu sprechen und dir womöglich nicht einmal bei der Aussprache sicher bist. Auch wenn es für etwaige Zuhörer imposant klingen mag – das ist dann nur Show, nichts Magisches aka Veränderndes dahinter.

Wo bekomme ich gute Spruchzauber her?

Die lakonische Antwort: aus dem Internet. Googlen fördert einen ganzen Haufen an Zaubersprüchen und Ritualtexten zu Tage. Bei den allermeisten merkst du schon beim Durchlesen, ob sie dich ansprechen oder nicht. Es kann hilfreich sein, die Texte laut zu lesen – dadurch spürst du noch besser, ob sie sich stimmig oder holprig anfühlen.

Darüber hinaus gibt es natürlich auch etliche Bücher, die Spruchzauber beinhalten.

Muss ich Zaubersprüche laut aussprechen?

Jain. Du musst gar nichts.

Gerade, wenn du nicht alleine wohnst, kann das laute Aussprechen ganz schön abschreckend sein.

Du kannst die Worte auch flüstern – oder nur denken. Ich würde dir erfahrungsgemäß aber raten, mindestens zu flüstern. Es geht nicht darum, dass du wer weiß wie brüllen müsstest, damit das die angerufene Gottheit auch im hintersten Winkel der Erde auf jeden Fall mitbekommt. Wichtig ist vielmehr, dass du selber die Worte hörst. Ob wir etwas nur denken oder tatsächlich aussprechen, hat nämlich eine andere Wirkung auf unser Unterbewusstsein.

Darf ich mir eigene Zaubersprüche ausdenken?

Ja, definitiv! Spruchzauber fallen ja nicht einfach vom Himmel – irgendjemand hat sie sich immer ausgedacht.

Wenn du deine eigenen Worte findest, wird der Text deutlich stärker mit dir verbunden und dadurch kraftvoller sein. Du tust aus den oben genannten Gründen aber gut daran, dir dafür ausreichend Zeit zu nehmen und das sprachliche Handwerkszeug zu lernen. Lies dir deine Textentwürfe ruhig schon vor dem Ritual selber vor – beim Aussprechen merkst du, ob sich etwas holprig anhört.

Du kannst auch fremde Texte kürzen oder miteinander kombinieren, sofern sich das für dich stimmig anfühlt. Der obligatorische Hinweis: sofern du das nicht nur für den „Privatgebrauch“ tust, sondern in irgendeiner Form veröffentlichst, musst du natürlich die Urheberrechte beachten.


Was für Ritualtexte und Spruchzauber verwendest du? Woher stammen sie?

3 Kommentare

  1. vor 10 Monaten

    Ehrlich gesagt habe ich mich mit Zaubersprüchen noch gar nicht auseinander gesetzt. Ich habe mich an die Thematik noch nicht heran gewagt, auch wenn ich mich nach deinem Beitrag – den du übrigens wundervoll geschrieben hast – frage warum. Eventuell wird es einfach Zeit sich mehr damit zu befassen.

    Wirst du vielleicht auch noch einen Beitrag darüber schreiben, wie so ein Zauberspruch angewandt werden sollte? Gibt es Dinge die man hierbei beachten muss? 🙂

    Ein wirklich interessantes Thema und wird definitiv ins Grimoire aufgenommen.

    • vor 10 Monaten

      Ich gehe ja ziemlich pragmatisch an die Sache ran und sehe einen Zauberspruch in erster Linie als eine Art Affirmation: ich benenne eine gewünschte Veränderung einer Situation und pinge damit mein Unterbewusstsein an. Das ganze Beiwerk, wie etwa farblich passend gewählte Kerzen, das Einbeziehen von Steinen / Elementen / Göttern / etc. mit passenden Energien oder überhaupt das Kreisziehen und Zentrieren, dient letztlich ja dem gleichen Zweck. Da kann ich gerne mal drüber schreiben. 🙂

      • vor 10 Monaten

        Ja an Affirmation habe ich dabei auch gedacht, als ich deinen Beitrag gelesen habe. Im Endeffekt zaubern wir dann ja mit jeder Wimper die wir uns vom Finger pusten. 🤭 Würde mich auf jeden Fall über weitere Beiträge freuen, da dieses Thema für mich wirklich noch Neuland ist und in den bisherigen Büchern gefühlt sehr überzogen dargestellt wird.