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Hexen von heute, Werkzeuge von gestern?

Hexen von heute, Werkzeuge von gestern?

Wir modernen Hexen sind keinesfalls technikfremd. Gleichzeitig hantieren wir aber beharrlich mit Gegenständen, die schon vor hundert Jahren aus der Mode gekommen sind. Woher kommt das und ist das ein Widerspruch?


Die typischen Hexenwerkzeuge sind ja verdammt klassisch: Reisigbesen, Dolch (Athame), Kessel, … Hand aufs Herz: im Alltag verwenden wir die Dinger nie. Allein schon deswegen umweht sie ein mystischer Hauch. Sie sind etwas ganz Besonderes und ihr Gebrauch versetzt uns in eine spirituelle Stimmung.

Moderne Geräte hingegen werden beim magischen Arbeiten gemeinhin verpönt: Kerzen müssen es sein statt elektrischem Licht. Ein handgeschriebenes Grimoire statt einer schnöden Word-Datei auf deinem Computer. Und wenn es um das Reinigen des Ritualplatzes geht, dann wird zwar ganz pragmatisch erst gestaubsaugt – später dann aber oft noch einmal symbolisch mit einem Besen ausgefegt. Wie jetzt, lassen sich störende Energien etwa nicht wegsaugen? 😀

Wieso verwenden wir im Ritual nur so altertümliche Gegenstände? Muss das so?

Das Bedürfnis nach Natürlichkeit

Im Ritual geht es oft darum, uns mit den Elementen zu verbinden und uns auf unsere Verbindung zur Natur zu besinnen. Da ist es naheliegend, möglichst naturbelassene Materialien zu verwenden – und bloß kein Plastik als den Inbegriff von Künstlichkeit und Umweltzerstörung.

Ein Kelch aus Glas ist deutlich stilvoller als ein Plastikbecher, und eine tönerne oder hölzerne Schale macht auf dem Altar mehr her als eine ausrangierte Tupperdose.

In dieselbe Kerbe schlägt oft der Verzicht auf alles, was einen Stecker (oder eine Batterie) hat: elektrische Geräte sind nun mal definitiv ziemlich unnatürlich. Und darüber hinaus fehlt ihnen auch dieses gewisse Etwas.

LED-Kerzen finde ich beispielsweise saupraktisch. Sie sind viel ungefährlicher als eine offene Flamme, sodass man sie auch mal unbeaufsichtigt anlassen kann und sie sogar gefahrlos umkippen können. Wachsflecken muss man hinterher auch keine wegpulen. Gerade weil wir Hund und Katze haben, verwende ich die Dinger liebend gern zur Raumdekoration.
Aber um im Ritual mit dem Element Feuer zu arbeiten, taugen LED-Kerzen definitiv nicht. Da ist einfach keine Lebendigkeit, keine Atmosphäre-

Ebenso macht es für mich einen immensen Unterschied, dass mein Stab nur einige Hundert Meter von hier entfernt über Jahre hinweg an einem Baum gewachsen ist… Regen und Sturm erlebt hat… Sonne und Wind… und dass er eben kein in riesiger Stückzahl fabriziertes Plastikteil ist, das ein „Made in China“ eingeprägt hat.

Grundsätzlich möchten wir ja im Einklang mit der Natur leben. Das bedeutet eben auch, dass Energieverschwendung nicht gutgeheißen werden kann. Das Betätigen eines elektrischen Schalters ist ein sehr offensichtlicher Akt des Stromverbrauchs – sicherlich spielt auch das oft eine Rolle bei der Entscheidung für Kerzen & Co.

Allerdings dürfen wir da auch nicht blauäugig sein. Beim Räuchern wird beispielsweise jede Menge Feinstaub freigesetzt, was zwar ein natürlicher Prozess ist, aber trotzdem nicht gut.
Mit Steinen und Ölen können wir auf sanfte und natürliche Weise arbeiten – dass sie aber oft vom anderen Ende der Welt eingeflogen wurden, ist nicht gerade umweltfreundlich.

Also ein Ja zu möglichst naturnahen Gegenständen, die am besten aus deiner Umgebung stammen. Schließlich hat magisches Arbeiten schon jahrtausendelang überall auf der Welt genau so funktioniert.

Kompromisse

Gleichzeitig muss man aber auch einfach akzeptieren, finde ich, dass wir in einer Gesellschaft leben, die alle möglichen elektrischen Gerätschaften und sonstigen modernen Erfindungen nutzt. Und das muss nicht unbedingt schlecht sein. Die Werkzeuge früherer Jahrhunderte sind nicht automatisch besser oder authentischer, nur weil halt noch keine Alternativen erfunden waren.

Ich habe nun mal keine offene Feuerstelle in meinem Haus. Was bedeutet, dass ich keine magischen Tränke in einem riesigen Kessel zusammenbraue, sondern pragmatisch in einem stinknormalen Topf auf dem Elektroherd herumrühre. So what? Im Zweifelsfall ist das auch einfach praktischer.

An der Decke hängen Rauchmelder, daher räuchere ich drinnen nicht. Das ist mir aber lieber, als auf die Rauchmelder zu verzichten und im Falle eines Falles unfreiwillig selber geräuchert zu werden. Safety first.

Weiter geht die Liste: ein elektrischer Wasserkocher zum Teekochen? Check. Stabfeuerzeug zum Entzünden der Kerzen? Check. Vor dem Ritual gründlich staubsaugen statt nur fegen? Check. Und überhaupt, ein Computer zum Heraussuchen aller möglichen Inspirationen? Check.

Ich halte nicht viel davon, für mein magisches Arbeiten künstlich (pun intended 😀 ) auf normale Alltagsgegenstände zu verzichten, nur weil sie vielleicht „untrue“ sind und parallel dazu andere Utensilien nur deswegen zu verwenden, „weil man das schon immer so gemacht hat“. Ich probiere und entscheide lieber für mich selber, was für mich persönlich funktioniert und praktisch ist und was nicht.

Schließlich geht es bei all dem nicht darum, irgendein Theaterstück mit möglichst klischeehaften Requisiten aufzuhören – es geht darum, deine Spiritualität zu leben. Und die gehört zu deinem Leben, was nun mal im 21. Jahrhundert stattfindet.

Was ich allerdings tatsächlich befremdlich finde: wenn im Ritual verwendete Dinge wie etwa geweihtes Wasser traditionell in einem fließenden Gewässer entsorgt werden sollen – und Roderick dann schreibt, dass moderne (Stadt-)Hexen anstelle eines Flusses ja auch ruhig die Kloschüssel nehmen könnten. Ehh… das finde ich dann doch arg profan, dann gieße ich damit lieber die Blumen. 😀


Wie siehst du das? Beziehst du moderne Gerätschaften in dein magisches Arbeiten mit ein oder trennst du da strikt?

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