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[Rezension] Von Sonnwend bis Rauhnacht

[Rezension] Von Sonnwend bis Rauhnacht

Die Feste, Bräuche und Rituale im Jahreskreis einmal aus einer anderen Perspektive betrachtet:


Über den Jahreskreis und seine verschiedenen Feste wird in der (neu)heidnischen Ecke viel publiziert. Aber wie sehen das eigentlich Christen? – Ein Blick über den Tellerrand.

Der Titel Von Sonnwend bis Rauhnacht – Feste, Bräuche und Rituale im Kreislauf des Jahres* klingt erst einmal nicht sonderlich christlich. Im neopaganen Büchersortiment dürfte das rund 250 Seiten starke Hardcover damit nicht weiter herausstechen.
Allerdings hat der Autor Valentin Kirschgruber, Jahrgang ’48, katholische Theologie studiert und schreibt aus der Warte eines Christen.

Ich muss zugeben, dass mich diese Tatsache zu Beginn etwas skeptisch gemacht hat. Zwar sind die Verbindung zur Natur und die großen Themen vom Werden und Vergehen universell gültig und nicht an eine bestimmte Religion gebunden. Aber viele der alten Bräuche wurden im Zuge der Christianisierung schließlich im wahrsten Sinne des Wortes verteufelt. Würde jemand mit dieser Religion die heidnischen Traditionen nicht als überkommen ablehnen und allenfalls belächeln?

Tja – ich wurde positiv überrascht! 🙂

Beginnend mit den Rauhnächten führt der Autor durch den gesamten Jahreskreis. Er schildert dabei, wie etwa Ostern oder Karneval heute gefeiert werden, welchen christlichen Hintergrund diese Feste haben und auf welche keltischen und germanischen Wurzeln sie zurückgehen.

All das geschieht nicht etwa wertend, sondern einfühlsam und mit klugen Worten. „Von Sonnwend bis Rauhnacht“ ist respektvoll geschrieben. Ein gelungenes Beispiel dafür, dass verschiedene Glaubensansätze auch nebeneinander existieren können!

Rezension: Von Sonnwend bis Rauhnacht - Valentin Kirschgruber

Um welche Bräuche geht es denn?

Ganze 40 Seiten sind zunächst den zwölf Rauhnächten gewidmet. Diese Zeit zwischen Weihnachten und Silvester wird in der Literatur über den Jahreskreis oft nicht thematisiert oder allenfalls nur kurz angesprochen.
Kirschgruber geht hier aber ausführlich auf die allgemeine Bedeutung der Rauhnächte ein und stellt dann für jeden der Tage / Nächte ein bestimmtes Meditationsthema bzw. eine praktische Übung vor.

Weiter geht es mit Karneval / Lichtmess / Imbolg, wo sich neben der Legende der heiligen Brigida unter anderem auch eine Bastelanleitung für ein Brigid-Kreuz findet.

Es folgen Ostern und Ostara, Pfingsten und Beltane, Mittsommer und Johannistag, Lammas und Himmelfahrt. Erklärungen zu den Sonnenwenden, verschiedene Bauernregeln oder Gedichte wie etwa das Hexeneinmaleins von Goethe lockern den Text hierbei immer wieder auf.
Das Erntedankfest, wie es auch bei uns in der Ecke mit Umzügen gefeiert wird, wird zusammen mit der Herbst-Tagundnachtgleiche betrachtet. Dann folgen Allerheiligen und Samhain, die Winterwende, Weihnachten und schließlich Silvester.

Die stimmungsvollen Fotos runden die Lektüre ab.

Rezension: Von Sonnwend bis Rauhnacht - Valentin Kirschgruber

An wen richtet sich das Buch?

Als Leserschaft dürfte Kirschgruber in erster Linie Christen im Sinn gehabt haben oder zumindest Menschen, die mit den christlichen Festen aufgewachsen sind. Diese werden nämlich als bekannt vorausgesetzt und dienen als Grundlage, um einen Vergleich mit den heidnischen Festen herzustellen.

Wenn du dich noch nicht näher mit dem heidnischen Jahreskreis beschäftigt hast und speziell dazu auf der Suche bist, findest du darüber nicht so viele Informationen bzw. dürfest manchmal über den ein oder anderen Gedankensprung stolpern.

Rezension: Von Sonnwend bis Rauhnacht - Valentin Kirschgruber

Empfehlen kann ich das Buch aber jedem, der die Jahreskreisfeste einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten möchte. Auch auf lokale Traditionen wird eingegangen, gerade aus dem süddeutschen Raum (der Autor stammt aus dem Allgäu). Das finde ich persönlich wahnsinnig spannend, da manche Bräuche wie etwa der Perchtenlauf hier in NRW gar nicht bekannt sind.

Abschließend möchte ich hier noch ein Zitat anfügen, das eine der zentralen Botschaften des Buchs zusammenfasst. Denn ganz egal, was für ein Fest wir auch feiern, unabhängig von Religionen und Glaubensrichtungen:

Traditionen sind wichtig. Doch werden sie ihrer tieferen Bedeutung beraubt und dienen eher der Belustigung, werden sie zu oberflächlichen, manchmal sogar hohlen Ritualen. Wenn wir jedoch unseren Festen wieder Sinn verleihen, werden wir unsere Seelen bereichern. Die Welt um uns wird schöner, weil wir lernen, das Wesentliche und Wunderbare zu erkennen.

Valentin Kirschgruber: Von Sonnwend bis Rauhnacht, S. 12

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